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Monitor-Reaktionszeit messen: GtG, Input-Lag, 1 ms

So misst igor’sLAB die Reaktionszeit: GtG-Übergänge, Schwellen, Display-Lag und Input-Lag. Warum „1 ms“ im Datenblatt allein wenig aussagt.

📅 19.10.2026 ⏱ 6 Min. Lesezeit 📝 1,083 Wörter
PC Hardware Ratgeber
CNW Performance Lab 👁 1 Aufrufe

Monitor-Reaktionszeit: Wie sie gemessen wird und warum „1 ms“ allein wenig sagt

Auf Verpackungen steht oft 1 ms, im Test kommt etwas anderes heraus. Wir erklären nach der Methodik von igor’sLAB, was GtG bedeutet, wie Display-Lag und Input-Lag zusammenhängen und worauf du bei Datenblättern achtest. Passende Monitore planst du im PC-Konfigurator.

Die Reaktionszeit ist eine der meistzitierten Monitorangaben und eine der am häufigsten missverstandenen. Wir stützen uns auf den Methodikteil eines Monitortests von igor’sLAB (Autor Fritz Hunter alias Stefan Bauer, veröffentlicht am 16.08.2024, Seite zuletzt geändert 31.05.2025) zum Titan Army P2510S. Wir haben nur die Seite mit dem Messaufbau gelesen; die gemessenen Werte dieses Monitors lagen uns nicht vor, und wir geben sie deshalb nicht an. Die Methode ist die eines Tests, nicht der einzige mögliche Weg. Eigene Messungen haben wir nicht gemacht. Eigene Einschätzung ist markiert.

Wie igor’sLAB misst

  • Der Monitor wird eine Stunde lang bei 200 Nits aufgewärmt, bevor gemessen wird.
  • Die Reaktionszeit wird mit NVIDIA LDAT in der Bildschirmmitte erfasst; Farben werden mit Colorimeter und Spektralradiometer gemessen.
  • Gemessen wird nach der Kalibrierung, damit alle Monitore unter gleichen Bedingungen getestet werden.
  • Nach Angabe des Autors spielt der PC keine Rolle: Drei verschiedene Rechner lieferten dieselben Ergebnisse.

GtG: Was gemessen wird

GtG steht für „Gray to Gray“, also den Wechsel zwischen Grauwerten. Der Test misst Übergänge über die Graustufen sowie von Schwarz (0) auf Weiß (255). Das ergibt 36 Anstiegs- und 36 Abfall-Übergänge, zusammen 72 Messungen. Die Zeit wird vom Startfarbwert bis zum Zielwert in Millisekunden erfasst.

PunktVorgehen im Test
Schwelle80-Prozent-Übergang als Standard
MessfensterLDAT startet 10 Prozent nach Beginn und stoppt 10 Prozent vor Ende des Übergangs
ÜberschwingenWird separat bewertet
WiederholungJede Messung dreimal, veröffentlicht wird das beste Ergebnis
ToleranzReaktionszeit im Schnitt ±0,5 ms, Latenz ±1 ms, ΔE 2000 ±0,5, Helligkeit ±10 Nits

Der Autor weist selbst darauf hin, dass sich Ergebnisse nicht eins zu eins mit denen anderer Tester vergleichen lassen, weil Methoden und Hardware verschieden sind. Das gilt auch für Herstellerangaben: Wie dort gemessen wurde, steht selten im Datenblatt.

Display-Lag, Input-Lag und End-to-End-Latenz

Neben der Pixelreaktion gibt es weitere Latenzen. Laut Beitrag ist Display-Lag die Verarbeitungsverzögerung plus die Hälfte der Scan-out-Zeit. Für die Messung braucht der Monitor G-Sync-Kompatibilität (FreeSync über DisplayPort), und G-Sync muss im Treiber aktiviert sein. Input-Lag ist Display-Lag plus durchschnittliche Pixelreaktionszeit; im Beispiel des Beitrags 3,6 ms plus 2,6 ms gleich 6,2 ms. Die End-to-End-Latenz reicht vom Mausklick bis zur Hälfte des Pixelübergangs. Alle Latenztests laufen bei maximaler Bildwiederholrate mit passender FPS-Zahl.

BegriffBedeutung laut Beitrag
Reaktionszeit (GtG)Dauer eines Farbwechsels zwischen zwei Grauwerten
Display-LagVerarbeitungsverzögerung plus halbe Scan-out-Zeit
Input-LagDisplay-Lag plus mittlere Pixelreaktionszeit
End-to-End-LatenzVom Mausklick bis zur Hälfte des Pixelübergangs

Mehr zur Latenz im Zusammenspiel von Grafikkarte und Anzeige erklärt Reflex, Anti-Lag und Frame Generation. Hinweise zu Hertz und Bildrate gibt Gaming-Monitor: Wie viel Hertz?.

Was das für Herstellerangaben bedeutet

Der Beitrag will zeigen, ob ein Monitor die Herstellerangaben erfüllt oder nicht. Konkrete Herstellerwerte für den getesteten Monitor nennt der gelesene Abschnitt nicht. Aus der Methodik lässt sich aber ableiten (eigene Einschätzung), worauf Zahlen im Datenblatt beruhen können: Schwellen, Übergänge und Einstellungen. Ein „1 ms“ kann sich auf einen einzelnen, günstigen Übergang beziehen, während der Durchschnitt über alle Übergänge höher liegt. Auch der Betriebsmodus spielt eine Rolle, weil starkes Overdrive Überschwingen erzeugen kann. Wie du den Modus einstellst, beschreibt Overdrive, Ghosting und Reaktionszeit einstellen.

Worauf du beim Kauf achtest (eigene Einschätzung)

  1. Auf unabhängige Tests mit Messungen achten, die Methode nennen (Schwelle, Übergänge, Einstellungen).
  2. Durchschnittswerte über alle Übergänge höher gewichten als den besten Einzelwert.
  3. Überschwingen beachten: Eine sehr kurze Zeit mit starkem Überschwingen kann im Bild schlechter aussehen.
  4. Reaktionszeit zusammen mit Panel-Typ und Bildrate bewerten, siehe OLED oder IPS und Monitor kaufen 2026.
  5. Nicht allein auf Zahlen vertrauen: Rückgaberecht nutzen und mit eigenen Spielen testen.

Grenzen dieses Beitrags

  • Wir haben nur die Methodikseite gelesen, nicht die Messergebnisse.
  • Der Test beschreibt einen 24,5-Zoll-Monitor mit 1440p und 240 Hz; Übertragbarkeit auf andere Geräte ist begrenzt.
  • Es wird das beste von drei Durchläufen veröffentlicht, was Ergebnisse tendenziell günstiger darstellt.
  • Latenzergebnisse gelten nur bei maximaler Bildwiederholrate.
  • Bewegungsschärfe wurde ohne Hochgeschwindigkeitskamera nur mit Software und Online-Tests beurteilt.

Beispielrechnung: Von der Pixelzeit zur Gesamtlatenz

Eine einfache Rechnung zeigt, warum mehrere Werte zusammengehören. Nimm das Beispiel des Beitrags: 3,6 ms Display-Lag plus 2,6 ms durchschnittliche Pixelreaktionszeit ergeben 6,2 ms Input-Lag. Hinzu kommen Zeiten für Maus, Spiel, Grafikkarte und Bildaufbau, die der Monitor nicht beeinflusst. Ein Monitor mit schneller Pixelzeit, aber hoher Verarbeitungsverzögerung kann in der Summe schlechter abschneiden als ein Modell mit etwas längerer Pixelzeit und geringem Lag (eigene Einschätzung). Entscheidend ist also das Gesamtbild.

GrößeBeispielwert aus dem BeitragAussage
Display-Lag3,6 msBeispiel für Verarbeitung plus halbe Scan-out-Zeit
Durchschnittliche Pixelreaktion2,6 msBeispiel für den mittleren Farbwechsel
Input-Lag6,2 msSumme der beiden Beispielwerte

Die Zahlen dienen nur der Erklärung der Rechnung und gelten nicht automatisch für einen bestimmten Monitor. Ob dir wenige Millisekunden im Alltag auffallen, hängt von Spiel, Reaktionsvermögen und Gewöhnung ab. Für die meisten Spieler zählt die Bildrate, die Bildruhe und die Bildqualität mehr als eine Differenz von ein bis zwei Millisekunden.

So prüfst du deinen Monitor im Alltag

Du brauchst kein Labor, um grobe Auffälligkeiten zu erkennen. Mit Testbildern für Bewegungsunschärfe und einem Blick auf Schlieren oder helle Ränder erkennst du, ob der Overdrive-Modus passt. Probiere die vorhandenen Modi nacheinander aus und wähle den, der bei bewegten Szenen sauber bleibt. Ein höherer Modus ist nicht automatisch besser, wenn er helle Ränder (inverses Ghosting) erzeugt.

  • Bewegte Testbilder im Browser ansehen und auf Schlieren und Ränder achten.
  • Im Menü des Monitors den Overdrive-Modus wechseln und das Ergebnis vergleichen.
  • Bildwiederholrate und VRR im Treiber prüfen, damit das Bild zum Modus passt.
  • Farbkalibrierung beachten, denn Einstellungen können sich gegenseitig beeinflussen, siehe Monitor kalibrieren.

Häufige Fragen

Was bedeutet GtG?

Gray to Gray: die Zeit, in der ein Pixel von einem Grauwert zu einem anderen wechselt.

Warum weicht die Messung von der Verpackungsangabe ab?

Weil Schwellen, gemessene Übergänge und Einstellungen verschieden sein können. Der Beitrag betont, dass sich Methoden nicht eins zu eins vergleichen lassen.

Ist niedrigere Reaktionszeit immer besser?

Nicht unbedingt: Sehr aggressive Einstellungen können Überschwingen erzeugen, das separat bewertet werden muss.

Datenblatt kritisch lesen

Schau nach Messmethode, Durchschnittswert und Überschwingen, nicht nur nach der Zahl auf dem Karton.

Zum PC-Konfigurator Overdrive und Ghosting Monitor kaufen 2026