OpenSSH unter Windows 11: Verbindung, Schlüssel, scp und Server
SSH unter Windows 11 nutzen: Client prüfen, Verbindung aufbauen, Schlüssel erzeugen, Dateien per scp kopieren und den OpenSSH-Server sicher einrichten.
Kurz gesagt
Mit SSH verbindest du dich verschlüsselt mit einem anderen Rechner und führst dort Befehle aus oder kopierst Dateien. Windows bringt Client und optional einen Server mit, du brauchst kein Zusatzprogramm. Nutze Schlüssel statt Passwörter und schütze den privaten Schlüssel. Öffne den Port 22 nie ungesichert ins Internet.
Wer Server, Raspberry Pi oder zweite Rechner im Heimnetz pflegt, kommt an SSH kaum vorbei. Lange war dafür ein Zusatzprogramm nötig, heute ist alles direkt in Windows 11 enthalten. Mit ein paar Befehlen hast du eine verschlüsselte Verbindung, eine Dateiübertragung und sogar die Möglichkeit, dich per Schlüssel ohne Passwort anzumelden.
Hier lernst du, wie du den Client nutzt, Schlüssel erzeugst, Dateien kopierst und optional Windows selbst als SSH-Server einrichtest. Besonderes Augenmerk liegt auf der Sicherheit.
Auf einen Blick
- ssh benutzer@adresse baut die Verbindung auf.
- ssh-keygen erzeugt ein Schlüsselpaar.
- scp kopiert Dateien über SSH.
- Der Server gehört nur mit Schlüssel und Firewall-Regel ins Netz.
Wozu SSH unter Windows gut ist
SSH (Secure Shell) baut eine verschlüsselte Verbindung zu einem anderen Rechner auf. Du bekommst dort eine Kommandozeile, kannst Dateien übertragen und Befehle ausführen, ohne dass Passwörter im Klartext durch das Netz laufen. Typische Anwendungen sind der Zugriff auf einen Linux-Server, einen Raspberry Pi, einen Router mit SSH-Zugang oder einen zweiten PC im Heimnetz.
Windows 11 bringt dafür alles mit: einen SSH-Client, einen optionalen SSH-Server und Werkzeuge zum Erzeugen von Schlüsseln. Du brauchst keine Zusatzprogramme, auch wenn Tools wie PuTTY weiter eine Alternative sind.
Wenn du eine grafische Oberfläche brauchst, dann nimm den Remotedesktop. Wenn dir eine Kommandozeile reicht, dann ist SSH die schlankere Lösung.
SSH-Client prüfen und nutzen
In aktuellen Windows-11-Versionen ist der OpenSSH-Client meist schon installiert. Öffne das Terminal oder die Eingabeaufforderung und tippe ssh. Erscheint eine Hilfeausgabe, ist alles bereit. Fehlt der Befehl, installierst du ihn so: Tippe in die Windows-Suche Optionale Features, öffne den Eintrag, wähle Features anzeigen und suche nach OpenSSH-Client.
- Öffne ein Terminal.
- Verbinde dich mit ssh benutzername@adresse, zum Beispiel ssh pi@192.168.1.50.
- Beim ersten Mal zeigt SSH den Fingerabdruck des Servers. Bestätige mit yes, wenn du dem Ziel vertraust. Er wird danach gespeichert.
- Gib das Passwort ein oder nutze einen Schlüssel (siehe unten).
- Mit exit beendest du die Sitzung.
Die IP-Adresse des Ziels kannst du im Router oder mit den Befehlen aus CMD-Befehle fürs Netzwerk herausfinden. Für dauerhaften Zugriff lohnt sich eine feste Adresse, wie in Statische IP-Adresse vergeben beschrieben.
ℹ️ So prüfst du deine Windows-Version
Drücke die Windows-Taste und R, tippe winver und bestätige mit Enter. Dort stehen Edition, Version und Build. Der OpenSSH-Client steht unter Windows 10 ab Version 1809 als optionales Feature bereit und ist in Windows 11 in der Regel schon vorinstalliert. Der Befehl ssh funktioniert in allen Windows-11-Versionen ab 21H2 gleich.
Wenn der Befehl ssh fehlt, dann installiere den OpenSSH-Client über die optionalen Features. Wenn er da ist, dann teste die Verbindung mit ssh benutzer@adresse.
Schlüssel statt Passwort
Ein Schlüsselpaar besteht aus einem privaten und einem öffentlichen Schlüssel. Den privaten behältst du, den öffentlichen hinterlegst du auf dem Zielrechner. Das ist sicherer als ein Passwort und bequemer.
- Erzeuge das Paar mit ssh-keygen -t ed25519. Bestätige den vorgeschlagenen Speicherort und vergib eine Passphrase.
- Die Dateien liegen im Ordner .ssh deines Benutzerprofils. Die Datei mit der Endung .pub ist der öffentliche Schlüssel.
- Kopiere den Inhalt der .pub-Datei in die Datei authorized_keys im Benutzerverzeichnis des Zielrechners.
- Teste die Anmeldung. Wenn sie ohne Passwort klappt, kannst du auf dem Ziel die Passwortanmeldung abschalten.
⚠️ Privaten Schlüssel schützen
Die Datei ohne .pub gehört nur dir. Gib sie nie weiter, verschicke sie nicht und lege sie nicht in eine Cloud. Wer sie hat, kommt mit deiner Identität auf alle Rechner, auf denen der Schlüssel hinterlegt ist.
Wenn du dich häufig anmeldest, dann richte einen Schlüssel ein. Wenn du nur einmalig zugreifst, dann reicht ein starkes Passwort.
Windows selbst als SSH-Server
Auch der umgekehrte Weg ist möglich: Du erreichst deinen Windows-PC per SSH. Dazu installierst du über Optionale Features den OpenSSH-Server. Anschließend startest du in den Diensten den Dienst OpenSSH SSH Server und stellst den Starttyp auf Automatisch. Die passende Firewall-Regel für Port 22 wird in der Regel angelegt.
- Normale Benutzer: Der öffentliche Schlüssel kommt in die Datei authorized_keys im eigenen .ssh-Ordner.
- Administratoren: Hier gilt eine zentrale Datei im Verzeichnis ProgramData\ssh, deren Zugriffsrechte nur System und Administratoren haben dürfen. Sonst ignoriert der Server sie.
- Prüfen: Von einem anderen Gerät im Heimnetz mit ssh benutzername@pc-adresse verbinden.
Wer sich nur eine grafische Oberfläche wünscht, ist mit dem Remotedesktop besser bedient. Für Linux-Befehle auf demselben PC reicht WSL.
Wenn dein Windows-Konto Administrator ist, dann liegt die Schlüsseldatei im Verzeichnis ProgramData. Wenn es ein normales Konto ist, dann nutze den Ordner .ssh im Profil.
Dateien kopieren mit scp und sftp
Mit scp kopierst du Dateien über die SSH-Verbindung. Der Aufbau ist immer Quelle, dann Ziel.
- Datei hochladen: scp bericht.pdf benutzer@adresse:/home/benutzer/
- Datei herunterladen: scp benutzer@adresse:/home/benutzer/daten.zip . (der Punkt steht für den aktuellen Ordner)
- Ordner kopieren: Mit der Option -r
- Interaktiv: sftp benutzer@adresse öffnet eine Dateiübertragung mit get und put
Der Pfad auf Windows-Seite darf Laufwerksbuchstaben enthalten, zum Beispiel C:/Daten/datei.txt. Leerzeichen im Pfad setzt du in Anführungszeichen.
Wenn du viele Dateien übertragen willst, dann nutze scp mit der Option -r. Wenn du ständig wechselst, dann ist sftp bequemer.
Sicher bleiben, wenn der Zugang aus dem Internet kommt
Im Heimnetz ist SSH unproblematisch. Sobald du Port 22 im Router ins Internet öffnest, laufen innerhalb weniger Stunden automatische Anmeldeversuche ein. Wenn du von außen zugreifen willst, sind diese Regeln wichtig:
- Passwortanmeldung abschalten und nur Schlüssel zulassen.
- Besser ein VPN zum Router aufbauen und dann nur im Heimnetz per SSH arbeiten.
- Statt Port 22 einen anderen Port nutzen reduziert nur das Rauschen in den Protokollen, ist aber kein Schutz.
- Router und Windows aktuell halten, mehr dazu bei Router absichern.
Prüfe außerdem in der Windows-Firewall, welche Regeln für den SSH-Dienst gelten. Für den Zugriff von unterwegs lohnt der Blick auf Heimnetz von unterwegs per VPN. Wer den PC zusätzlich aus der Ferne einschalten will, findet bei Wake-on-LAN den passenden Ansatz.
🔒 Privaten Schlüssel nie auf fremden Geräten ablegen
Wer deinen privaten Schlüssel besitzt, kommt ohne Passwort auf alle Rechner, auf denen der öffentliche Teil hinterlegt ist. Lege ihn deshalb nie auf öffentlichen PCs, in einer Cloud oder in einem E-Mail-Anhang ab. Schütze ihn mit einer Passphrase und entferne den öffentlichen Schlüssel vom Ziel, wenn du ein Gerät verlierst oder verkaufst.
Wenn du nur im Heimnetz arbeitest, dann genügen Schlüssel und Updates. Wenn du von außen zugreifst, dann nutze ein VPN.
Praxistipps für den Alltag
Wer SSH regelmäßig nutzt, spart mit einer kleinen Konfiguration viel Tipparbeit.
- Lege in der Datei config im Ordner .ssh Kurznamen für deine Ziele an, dann genügt ssh pi statt der langen Adresse.
- Speichere die Fingerabdrücke deiner Server, damit dir eine Änderung sofort auffällt.
- Nutze das Windows Terminal. Es bietet Tabs für mehrere Verbindungen gleichzeitig.
- Teste neue Zugänge zuerst im Heimnetz, bevor du etwas von außen erreichbar machst.
- Halte eine Notfallverbindung offen, wenn du die SSH-Einstellungen auf einem entfernten Rechner änderst, damit du dich nicht aussperrst.
Wenn dein Ziel ein Linux-System auf demselben PC ist, ist WSL oft die einfachere Lösung. Die wichtigsten Kommandozeilenbefehle für Einsteiger findest du im Beitrag CMD-Befehle für Einsteiger.
Grenzen und Hinweise
- SSH ist ein Textwerkzeug. Wer eine grafische Oberfläche braucht, nutzt Remotedesktop oder ein anderes Fernwartungsprogramm.
- Die Rechte-Konfiguration der authorized_keys unter Windows ist strenger als unter Linux und führt oft zu Fehlern.
- Firmenrechner und Router können SSH per Richtlinie sperren.
- Die Schritte hängen etwas von der installierten OpenSSH-Version ab, die Grundbefehle bleiben gleich.
Wenn es nicht klappt: typische Stolperfallen
Der Befehl ssh wird nicht gefunden
Der Client fehlt. Installiere ihn über Optionale Features und öffne das Terminal danach neu.
Connection refused
Auf dem Ziel läuft kein SSH-Dienst oder die Firewall blockt Port 22. Starte den Dienst und prüfe die Regel.
Connection timed out
Die Adresse ist falsch oder der Rechner nicht erreichbar. Teste mit ping und prüfe, ob beide Geräte im selben Netz liegen.
Permission denied (publickey)
Der öffentliche Schlüssel liegt nicht am richtigen Ort oder die Zugriffsrechte der Datei sind falsch. Bei Administratoren gilt die zentrale Datei.
Host key verification failed
Der Fingerabdruck des Ziels hat sich geändert, etwa nach einer Neuinstallation. Entferne den alten Eintrag aus known_hosts, aber nur wenn du den Grund kennst.
Dienst startet nicht automatisch
Stelle den Starttyp von OpenSSH SSH Server auf Automatisch und starte den Dienst einmal manuell.
Häufige Fragen
Brauche ich PuTTY noch?
Nein, aber es bleibt eine Alternative mit grafischer Oberfläche und Profilen.
Wo liegen meine SSH-Schlüssel?
Im Ordner .ssh in deinem Benutzerprofil.
Ist SSH sicherer als Remotedesktop?
Beide sind bei richtiger Einrichtung sicher. SSH ist schlanker, Remotedesktop komfortabler.
Kann ich SSH mit mehreren Schlüsseln nutzen?
Ja, über die Datei config im .ssh-Ordner legst du pro Ziel einen Schlüssel fest.
Wie sichere ich den Zugriff von außen ab?
Mit Schlüsselanmeldung, VPN oder Portbegrenzung und regelmäßigen Updates.
Du richtest ein Heimnetz oder einen Server ein?
Wir konfigurieren dir einen Rechner, der als stabiler Dauerläufer taugt.
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